Wie wirkt Fasten auf Psyche, Depressionen und das Gehirn?

Erfahre mehr über die transformative Wirkung des Fastens auf Gehirn, geistige Klarheit, Psyche und allgemeines Wohlbefinden.

Dieser Artikel beleuchtet das Potenzial des Fastens zur Verbesserung von Konzentration, Depressionen, Ängsten und der psychischen Widerstandsfähigkeit. Dabei nehmen wir auch etwaige Nebenwirkungen unter die Lupe.

Wirkung von Fasten auf Gehirn und Psyche

  1. Entgiftet das Gehirn
  2. Steigert geistige Klarheit
  3. Verbessert das Gedächtnis
  4. Lindert Depressionen
  5. Steigert das Wohlbefinden

Kann Fasten Depressionen auslösen?

Fasten kann Depressionen und Angstzustände verringern.

Das glauben einige Forscher. Eine Meta-Analyse1 von randomisierten, kontrollierten Studien kam zu dem Schluss, dass das Fasten, ohne Müdigkeit zu erhöhen, Angstzustände, Depressionen und den Body-Mass-Index verringert.

Einerseits kann Fasten zu negativen emotionalen Zuständen wie Reizbarkeit führen. Andererseits entfaltet es auch eine positive Wirkung auf die Psyche,2 wie die Gefühle von Belohnung, Leistung, Stolz und Kontrolle.

Theoretisch kann Fasten daher nicht nur die Symptome von Depressionen auf verschiedene Weise lindern, sondern auch bei anderen psychischen Erkrankungen von Nutzen sein.

Eine Ramadan-Fasten-Studie3 zeigt, dass gerade Menschen, die bereits vor dem Fasten unter Depressionen, Ängsten und Stress litten, diese Werte verbessern konnten.

Gesundheitliche Wirkung von Fasten für die Psyche

Neben weitgehend bekannten physischen Wirkungen wie Gewichtsverlust oder verbesserte Cholesterinwerte bietet das Fasten eine Reihe von Vorteilen für Gehirn und Psyche.

1. Entgiftet das Gehirn

Die Zellverjüngung des Fastens macht auch vor dem Gehirn nicht Halt.

Der Prozess der Autophagie kann den Gehirnzellen dabei helfen, toxische Proteine auszuscheiden, die zur Demenz beitragen.

Da sie das Gehirnsystem verklebt, ist die Ansammlung von diesen toxischen Proteinen (β-Amyloid und Tau) maßgeblich an der Entwicklung der Alzheimer-, Parkinson- und Huntington-Krankheit beteiligt.

Studien4 zeigen, dass in frühen Stadien der Demenz Autophagie-Defizite auftreten.

2. Steigert geistige Klarheit

Fasten induziert den Stoffwechselzustand der Ketose. So kann der Körper gespeichertes Fett zur Energiegewinnung verwenden.

Viele Menschen berichten, dass sie in der Ketose mehr Energie haben und geistig klarer5 sind.

Das Gehirn kann Ketone effizient als alternative Brennstoffquelle nutzen, was bei einigen Menschen die kognitiven Funktionen verbessert.

Außerdem bereitet uns beim Fasten die Ausschüttung von Cortisol, Adrenalin und Wachstumshormon auf die Jagd nach Nahrung vor. Das erhöht den Fokus.

Selbst nachdem Menschen beinahe zwei Tage lang nichts aßen, konnten Forscher an ihnen keine Reduktion der Wahrnehmung und Aktivität6 feststellen.

Wie Fasten auf Gehirn, Psyche und Depressionen wirkt

3. Verbessert das Gedächtnis

Werden durch regelmäßiges Intervallfasten Ketone aus den Fettspeichern verbrannt, aktiviert das Signalwege, die Lern- und Gedächtnisfunktion steigern.

Einer dieser Signalgeber ist das neuronale Wachstumshormon BDNF (engl. brain-derived neurotrophic factor), das für die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn verantwortlich ist.

Deshalb werden hohe BDNF-Spiegel auch mit erhöhter Intelligenz assoziiert.

So kann Intervallfasten neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson7 oder Alzheimer8 entgegenwirken sowie das Gedächtnis älterer Menschen verbessern.

4. Lindert Depressionen

Unzählige klinische Beobachtungen weisen auf eine antidepressive Wirkung des Fastens hin, die manchmal sogar mit Euphorie einhergeht.

Laut einer Meta-Analyse9 berichteten Patienten immer wieder von der Verbesserung von drei wesentlichen Faktoren:

  • Stimmung
  • Wachsamkeit
  • Gelassenheit

Dafür könnten laut den Forschern, die Fasten generell als sicher einstufen, Veränderungen bei den Neurotransmittern sowie der Schlafqualität verantwortlich sein.

5. Steigert das Wohlbefinden

Laut einer aktuellen Studie10 an muslimischen Studenten während des Ramadans kann Fasten folgende Wirkungen fördern:

  • Psychisches Wohlbefinden
  • Autonomie
  • Selbstakzeptanz
  • Positive Beziehungen
  • Persönliches Wachstum
  • Beherrschung der Umwelt

Eine starke religiösen Überzeugung kann sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit auswirken kann, wenn aus religiösen Gründen gefastet wird.

Doch auch ohne religiöse Überzeugung kann Fasten durch folgende Faktoren das Wohlbefinden steigern11:

  • höheres Energieniveau
  • besseres Schlafverhalten
  • geringere Entzündungswerte
  • verstärkte Autophagie (Beseitigung kaputter Zellteile)

Nebenwirkungen des Fastens für die Psyche

Bei manchen Menschen kann kurzzeitiges Fasten folgende negative Emotionen verstärken:

  • Depression
  • Angst
  • Wut
  • Reizbarkeit
  • Müdigkeit
  • Anspannung

Der Grund dafür ist unklar. Ein wesentlicher Faktor ist die Fastenerfahrung.

Menschen, die noch keine wesentlichen Erfahrungen mit Fasten gemacht haben, empfinden mehr negative Stimmungen, mehr Stress und weniger Vitalität12

Wenn Menschen erstmals fasten, muss sich der Körper an die Ketose gewöhnen, da keine Glukose aus Nahrung zugeführt wird. Das kann zu einer schlechten Stimmung13 führen.

Wir kennen diese Symptome, die neben Stimmungsschwankungen auch Kopfschmerzen und Müdigkeit umfassen können als Keto-Grippe.

Sie kann die Denk- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Meine Erfahrungen

Wer, wie ich, regelmäßig Heil- und Intervallfasten praktiziert, weiß um die mentalen Vorteile Bescheid.

Fasten erhöht Konzentration und Gedächtnisfunktion und kann bei vielen Menschen auch für bessere Stimmung sorgen. Dennoch kann die Stoffwechselumstellung bei den ersten Versuchen Anspannungen verursachen.

Für das Fasten benötigt man Disziplin und Willenskraft. Man entscheidet sich bewusst gegen kurzfristige Befriedigung, um langfristige Ziele zu verfolgen.

Das steigert die mentale Stärke und Gesundheit.

Fasten kann außerdem die Blutzuckerregulierung, den Blutdruck und die Entzündungswerte im Körper verbessern.

Wenn auch du mit dem Fasten beginnen möchtest, sprich mit einem Arzt, bevor du das erste Mal fastest. Das gilt insbesondere dann, wenn du eine Vergangenheit mit psychischen Erkrankungen oder Essstörungen hast.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wird man durch Fasten geistig stärker?

Regelmäßiges Fasten schärft nicht nur Disziplin und Willenskraft, sondern steigert auch Fokus und Gedächtnisfunktion.

Warum fühle ich mich so viel besser, wenn ich faste?

Fasten induziert den Stoffwechselzustand der Ketose, in dem sich Menschen geistig klarer fühlen. Der Prozess erhöht die Ausschüttung des neuronalen Wachstumshormons BDNF, das für die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn verantwortlich ist und mit gesteigerter Intelligenz in Verbindung gebracht wird.

Wirkt Fasten wie ein Antidepressivum?

Fasten konnte in mehreren Studien Stimmung und Gelassenheit steigern und Depressionen erfolgreich lindern.

Was passiert während des 72-Stunden-Fastens?

Beim 72-Stunden-Fasten14 geht der Körper vollständig in die Ketose. Dadurch wird auch das Gehirn überwiegend von Ketonkörpern (Fettenergieträgern) gespeist.

Macht Fasten das Gehirn frei?

Fasten befreit das Gehirn von toxischen Proteinen (β-Amyloid und Tau), die maßgeblich an der Entwicklung der Alzheimer-, Parkinson- und Huntington-Krankheit beteiligt sind.

Quellenverzeichnis

1Berthelot, E., Etchecopar-Etchart, D., Thellier, D., Lancon, C., Boyer, L., & Fond, G. (2021). Fasting Interventions for Stress, Anxiety and Depressive Symptoms: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 13(11). https://doi.org/10.3390/nu13113947

2Wang, Y., & Wu, R. (2022). The Effect of Fasting on Human Metabolism and Psychological Health. Disease Markers, 2022. https://doi.org/10.1155/2022/5653739

3Erdem, O. (2018). The investigation of the effects of Ramadan fasting on the mood state of healthy volunteer persons. Family Practice and Palliative Care, 3(1), 1-6.

4Li, Q., Liu, Y., & Sun, M. (2017). Autophagy and Alzheimer’s Disease. Cellular and molecular neurobiology, 37(3), 377–388. https://doi.org/10.1007/s10571-016-0386-8

5Altayyar, M., Nasser, J. A., Thomopoulos, D., & Michael Bruneau, J. (2022). The Implication of Physiological Ketosis on The Cognitive Brain: A Narrative Review. Nutrients, 14(3). https://doi.org/10.3390/nu14030513

6Lieberman, H. R., Caruso, C. M., Niro, P. J., Adam, G. E., Kellogg, M. D., Nindl, B. C., & Kramer, F. M. (2008). A double-blind, placebo-controlled test of 2 d of calorie deprivation: effects on cognition, activity, sleep, and interstitial glucose concentrations. The American journal of clinical nutrition, 88(3), 667–676. https://doi.org/10.1093/ajcn/88.3.667

7Raefsky, S. M., & Mattson, M. P. (2016). Adaptive Responses of Neuronal Mitochondria to Bioenergetic Challenges: Roles in Neuroplasticity and Disease Resistance. Free Radical Biology & Medicine, 102, 203. https://doi.org/10.1016/j.freeradbiomed.2016.11.045

8Witte, A. V., Fobker, M., Gellner, R., Knecht, S., & Flöel, A. (2008). From the Cover: Caloric restriction improves memory in elderly humans. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 106(4), 1255-1260. https://doi.org/10.1073/pnas.0808587106

9Fond, G., Macgregor, A., Leboyer, M., & Michalsen, A. (2013). Fasting in mood disorders: neurobiology and effectiveness. A review of the literature. Psychiatry research209(3), 253–258. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2012.12.018

10Bayani, A. A., Esmaeili, R., & Ganji, G. (2020). The Impact of Fasting on the Psychological Well-Being of Muslim Graduate Students. Journal of religion and health59(6), 3270–3275. https://doi.org/10.1007/s10943-018-00740-3

11Paoli, A., Tinsley, G., Bianco, A., & Moro, T. (2019). The Influence of Meal Frequency and Timing on Health in Humans: The Role of Fasting. Nutrients, 11(4), 719. https://doi.org/10.3390/nu11040719

12Ma, Q., Yang, C., Wu, R., Wu, M., Liu, W., Dai, Z., & Li, Y. (2021). How Experiences Affect Psychological Responses During Supervised Fasting: A Preliminary Study. Frontiers in Psychology, 12. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.651760

13Appleton, K. M., & Baker, S. (2015). Distraction, not hunger, is associated with lower mood and lower perceived work performance on fast compared to non-fast days during intermittent fasting. Journal of health psychology, 20(6), 702–711. https://doi.org/10.1177/1359105315573430

14Cahill G. F., Jr (2006). Fuel metabolism in starvation. Annual review of nutrition, 26, 1–22. https://doi.org/10.1146/annurev.nutr.26.061505.111258

Mag. Stephan Lederer, MSc. is an author and blogger from Austria who writes in-depth content about health and nutrition. His book series on Interval Fasting landed #1 on the bestseller list in the German Amazon marketplace in 15 categories.

Stephan is a true man of science, having earned multiple diplomas and master's degrees in various fields. He has made it his mission to bridge the gap between conventional wisdom and scientific knowledge. He precisely reviews the content and sources of this blog for currency and accuracy.

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